Dienstag, 6. Dezember 2016

Die Modernisierung meiner Mutter

So heißt ein Band mit lesenswerten Kurzgeschichten. Ein wirklich tolles Buch, was mir letztens empfohlen wurde und das ich demzufolge auch gerade lese... Muss ich kurz mal loswerden und weiterverbreiten, auch wenn fremde Empfehlungen von so unwichtigen Leuten wie mir eigentlich belanglos sind und die Blogosphäre nur mit etwas wohligem Hintergrundrauschen anreichern. Die Erzählungen sind aber so geil, dass ich den Titel trotzdem mal erwähne ...
Der Autor, den kannte ich eigentlich noch gar nicht, muss daher mal kurz nachschauen, wie der heißt, wartet mal kurz - ich verwechsele nämlich seinen Namen immer, der heißt so ähnlich wie Björn Borg, der in den 70ern ein berühmter Tennisspieler war. Den werden die meisten wohl gar nicht mehr kennen. Jedenfalls war der Björn Borg damals, in der zweiten Hälfte der 70er Jahre, einer der Besten seiner Zunft; hatte aber dann im Alter von 26 schon seine Karriere beendet - das war ja lange vor Becker und Konsorten. Tja, und dieser Björn Borg, der hatte noch echte Klasse. Alter Schwede, der konnte spielen. Der hatte eine neue, damals überlegene Spielweise bzw. Grifftechnik entwickelt, die kraftvolle und sehr präzise Rückhandschläge beidhändig ermöglichte. Und der blieb immer cool, rastete nie aus, was ihn ja von vielen Gegnern, z. B. dem berüchtigten John McEnroe, stark unterschied. Die Borgsche Coolness imponierte mir wohl immer. Natürlich lebt er auch noch - hatte eine unglaublich erfolgreiche, aber eben auch sehr kurze Karriere, das waren nur zwei oder drei Jahre - eben wie dieser (unübersehbar) helle Schein einer Wunderkerze, die in wenigen Sekunden heruntergebrannt ist. Björn Borg, kann man sich auch mal merken. ;-) Genau wie den Autor dieses oben erwähnten Erzählungsbandes - der nennt sich Bov Bjerg, was so ähnlich klingt, wie ich eben schrieb. Jedenfalls scheint er einen gesunden Sinn für Humor zu haben, dieser Bov Bjerg. Hat aber nichts mit Tennis zu tun, auch sonst mit nichts, sind einfach sehr gute Storys. ;-)

Freitag, 25. November 2016

Sahra Wagenknecht

https://youtu.be/-aI7K9tFDyw
Generaldebatte im Bundestag vom 23.11.2016. Gelungene Rede, soll daher auch mal hier festgehalten werden. In der Analyse der aktuellen Lage stimme ich mit der Sahra Wagenknecht überein, also in vielen Punkten liegt sie meiner Meinung nach richtig, auch wenn bzw. obwohl sie die Parteibasis nicht hinter sich hat. Jedenfalls ist sie nicht weit von meinen Ansichten bzw. Beobachtungen entfernt. Ich ziehe letztlich nur andere Schlüsse daraus, denke ich. Und von Klassenkampfrhetorik und Reichen-Bashing hab ich mich auch längst gelöst. Die Kritik am Globalkapitalismus müsste nach meinem Verständnis eher Kritik an der "Ideologie des Globalismus" sein. Denn gerade die Macht der bestehenden Konzerne, die ja zu Recht kritisiert wird, wird durch die von links unterstützte Politik der Zerstörung/Auflösung der Nationalstaaten weiter gestärkt. Je schwächer die Nationalstaaten, desto geringer die Möglichkeiten zur Mitbestimmung durch die Staatsbürger, desto größer Macht bzw. Einflussnahme durch intransparente supranationale Organisationen, Konzerne und milliardenschwere Privatpersonen, die dann grenzen- und schrankenlos agieren, sich aus jeder Region die Rosinen herauspicken und sich doch jeder regionalen/nationalen Gerichtsbarkeit entziehen können - die sind die wahren Weltbürger, alle anderen bleiben ohne Nationalstaaten nur ausgeliefert und in ihrem Knechtsdasein gefangen.
Oder anders ausgedrückt: Die Auflösung der westlichen Nationalstaaten hinterlässt zwangsläufig ein Vakuum, das u. a. von den Konzernen und Plutokraten ausgefüllt
wird. Die Konzerne werden die neuen Staaten, sekundiert von Abnick-Parlamenten.

 Aber gut, trotzdem mag ich die Sahra Wagenknecht, sie ist eine kluge Frau, leider ja wohl mittlerweile ziemlich isoliert in der Partei oder? In den 90ern hatte sie ja auch, damals mit der kommunistischen Plattform eine Minderheitsposition inne. Okay, weitere Linke fallen mir jedenfalls momentan nicht mehr ein, die sich ähnlich überlegt und vernünftig geäußert hätten. Man achte auch auf die Reaktionen auf den Regierungsbänken. Die versteinerten Gesichter, das zur Schau gestellte Desinteresse, die reflexartigen Buhrufe - die haben noch nicht mal zugehört. Die Arroganz der Macht.

Dienstag, 8. November 2016

Zu den US-Wahlen

Morgen ist es ja soweit. Nach dem, was ich so mitbekomme, hat sich der Wind in der hiesigen Presselandschaft bezüglich der US-Präsidentschaftswahlen in letzter Zeit doch leicht gedreht oder? Erst hat man doch aus allen Rohren gegen Trump gefeuert, doch jetzt, da seine Chancen doch besser stehen als erwartet, lässt man auch mal moderate Unterstützer zu Wort kommen. Selbst von Michael Moore war neulich was in der Art zu vernehmen, was man eher als pro-Trump-Meinung werten konnte. Na ja, solche Wortmeldungen wie meine hier sind eigentlich auch überflüssig, hab ich bisher auch immer ausgespart. Folgt dem Motto: Es ist alles gesagt, nur noch nicht von allen.
Aber was soll’s. Mein Blog, meine Meinung: Es ist allein Sache der Amerikaner, ihren Präsidenten zu wählen. Wenn die Amerikaner sich mehrheitlich von Trump verstanden und vertreten fühlen, dann mögen sie ihn wählen. Die hierzulande verbreitete mediale Parteinahme wundert natürlich nicht, das Feuern aus allen Rohren gegen Trump, was einer Einmischung in die amerikanische Innenpolitik gleichkommt – und nichts anderes ist die pro-clintonsche Hofberichterstattung – wirkte auf mich doch eher befremdlich und lächerlich. Wenn Donald Trump gewählt werden sollte, dürfte im Verhältnis zu Merkeldeutschland daher wohl erstmal eine Eiszeit eintreten. Ich las mal, dass es damals bei Jimmy Carter ähnlich war, der auch im Wahlkampf vom alteingesessenen Establishment angefeindet und dämonisiert wurde, letztlich aber eine durch eine moderate und überlegte Amtsführung zu überzeugen wusste, wobei jedoch durch die parteiliche Positionierung des damaligen Bundeskanzlers Schmidt gegen Carter das Verhältnis zur Bundesrepublik unter Carter beschädigt war.
Zweitens denke ich eben, dass ein Konflikt mit Russland unter Hillary Frau Clinton erheblich wahrscheinlicher wäre/wird als unter einem Präsidenten Trump. In der Frage von Krieg und Frieden vertraue ich einem pragmatischen, auf das Wohl der US-Mittelschicht orientierten Isolationisten Trump, der eher einen Ausgleich mit Russland sucht, mehr als der Clintonfrau – und das ist letztlich eine existenzielle Frage für uns, im Grunde die einzige, die für uns diesbezüglich wirklich maßgebend sein sollte. (Zu diesen Ansichten bin ich nach Auswertung der mir verfügbaren Quellen (Reden, Videos, Presse) im letzten Jahr gekommen.)

Warum knallt es so oft in Berlin?

In Berlin knallt es öfter, meistens nachts. Seltsam, ja. Ich hatte das auch schon mal hier erwähnt, wie ich gerade sehe (in meinem preisgekrönten Posting "Der große Knall"). Ist schon länger so. Manchmal hab ich den Eindruck, dass das Schüsse sind. Man hat es ja, insbesondere, wenn man noch gedient hat, doch irgendwie im Blut bzw. im Hinterkopf, wie sich Schüsse anhören. In den letzten Wochen bin ich zwei Mal mitten in der Nacht aufgewacht, das muss so gegen 4 Uhr gewesen sein, weil es in kurzer Folge mehrmals geknallt hat. Es hörte sich an wie ein kurzer Feuerstoß oder drei schnelle Schüsse Einzelfeuer aus einer automatischen Waffe. Die Häuser verstärken natürlich solche Geräusche, so dass man richtig hochschreckt. Wer oder was das wohl sein mag? Scheint aber niemand Anstoß zu nehmen, jedenfalls hab ich nirgendwo gehört, dass das ein Aufreger wäre. Taugt wohl nicht als Empörung, solange keiner einen Böller direkt vors Kanzleramt wirft.
Man will ja auch glauben, dass es nur harmlose Böller sind. "I want to believe" - das stand ja damals auch auf diesem UFO-Poster, das im Büro von Agent Mulder hing. Ja, die gute alte Zeit der X-Akten. Ich will (daran) glauben, muss mir aber noch Mühe geben ...

Donnerstag, 3. November 2016

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Lost in Transition

Immer interessant, am eigenen Leibe zu erleben, wie Konzerne ihre Prozesse so weit verschlanken können, dass sie ihren eigenen Kundenbestand herunteroptimieren. Die Abschaffung der Kunden als höchste Stufe der Rationalisierung.

Umstellung von Simyo zu Blau.de (Mobilfunk): Da beide Marken zum selben Konzern Telefónica gehören, hat man sich offenbar Synergien aus der Zusammenlegung der Kunden- und Vertragsbestände versprochen. Der realisierbare Wert dieser Synergieeffekte wird wohl den Markenwert von Simyo übersteigen. Der Goodwill von Simyo wird somit komplett abgeschrieben, Kunden- und Vertragsbestände werden von der anderen Konzernmarke übernommen.

Simyo wird abgeschafft, und alle Nummern werden von Blau.de übernommen. So der Idealfall. Hat sicherlich auch in den meisten Fällen geklappt, hier aber nicht. Mit der Abschaltung des Simyo-Teilnetzes wurde die Nummer abgeschaltet, aber unter Blau.de aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht mehr aktiviert.
Symptomatisch: Da es sich um reine Online-Anbieter, also internetbasierte Unternehmensmarken handelt, gibt es keine menschlichen Ansprechpartner, keine beschreitbaren Wege, um besondere Kundenanliegen zu kanalisieren, die nicht den vorgegebenen Standardfragen im FAQ-Bereich zuzuordnen sind. Zumal man aufgrund der missglückten Umstellung nun gar kein Kunde mehr ist, da die Nummer nun als nicht vergeben bezeichnet wird. Guthaben ist auch erstmal verloren, da die Nummer weg ist bzw. gesperrt sein soll. Lost in Transition …
Kosteneinsparungen durch den immer weiter gehenden Abbau oder Verzicht auf Servicepersonal und eine 100%ige Abhängigkeit von einer Online-Infrastruktur können letztlich zu harten Kunden- und Umsatzverlusten führen. Auch wenn normalerweise ein Geschäft standardisiert abläuft, ist eine Netzzusammenlegung halt ein sensibler Vorgang, dem man vielleicht etwas mehr Beachtung hätte schenken sollen.

Montag, 3. Oktober 2016

Kulturelles

In der Schule hat man ja immer viel auswendig gelernt, ja? Bei euch auch? Wir mussten oft Gedichte auswendig lernen, dann vor der Klasse vortragen. Wie brave Papageien haben wir die heruntergebetet, ohne Sinn und Verstand. Kommt einem heute irgendwie seltsam vor oder?
Die Liebe zur Poesie wurde da in einem Kind bestimmt nicht geweckt, indem man es zwang, irgendwelche Verse auswendig zu lernen, für die man in dem Alter eh keine Antenne hat. Interpretation war ja weitgehend vorgegeben.  Ich mag auch heute noch keine Gedichte.
Vieles war auch politisch motiviert, klar, und dann diese beknackten Kampflieder erst im Musikunterricht.
Eine Stelle in einem bekannten Lied ging so:
 ... der Flügelmann im letzten Glied, 
mit Stahlhelm und MPi, 
als Melker der Genossenschaft, 
betreute er das Vieh....

Refrain : Gute Freunde, gute Freunde in der Volksarmee
Sie schützen unsere Heimat
zu Land, zur Luft und auf der See, juchhee


Haha.... weiter kenn ich den Text nicht mehr. Irre, wa?
Schwer, davon als Kind keine bleibenden Schäden zurückzubehalten.
Gesungen klingt das natürlich viel bessser, richtig schneidig.